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Aaaaaaaaaaaahhhhh. Über die Infantilisierung von Menschen.  

„Es wird nicht alles automatisch gut“, stellte Daniela Ingruber1 letzten Mittwoch beim Vernetzungstag Stadtteilarbeit fest. Mehr als einmal kam mir in meinem Leben bereits folgender Spruch über die Lippen: „Wenn es noch nicht gut ist, dann ist es noch nicht vorbei.“ Mit Blick auf dem Klimawandel könnte sich das allerdings für viele von uns bzw. unsere nachfolgenden Generationen auch nicht ausgehen. 

Doch es geht nicht um den Klimawandel. Es geht mir um die Erzählung österreichischer (Ex)Politiker:innen, dass „französische Zustände“ in Wien zu verhindern seien, wenn wir, verkürzt oder kurz zusammengefasst, es Mitbürger:innen mit Migrationsbiographie noch schwerer machten. Für sozialen Frieden sollen wir nicht auf die Chancengerechtigkeit und Teilhabe setzen? In Österreich ist da sowieso viel Luft nach oben. Das kann man sich empirisch ansehen, wenn es um die Repräsentanz von Menschen mit Migrationsbiographie (und da meine ich nicht deutsche Migrationsbiographie) im öffentlichen Leben geht.  

 

Ein weiterer Puzzlestein: ÖVP-Generalsekretär Markus Gstöttner verwehrt sich im Ö1 – Morgenjournal (22.10.2026) gegen eine Erleichterung bei der Staatsbürgerschaft. Dabei spricht niemand davon, die erforderlichen Deutschkenntnisse verringern, an der Gehaltsforderung drehen oder gar den Staatsbürgerschaftstest abschaffen, zu wollen. Nein, es geht um das ius soli2 sprich um eine Erteilung der Staatsbürgerschaft an Kinder, die hier geboren wurden und deren Eltern schon lange Jahre als „integriert“ (arbeiten, können deutsch, über viele Jahre legal in Österreich) gelten. Gstöttner gibt zu verstehen, dass auch Kinder sich integrieren müssten.   

 

Zwei Dinge:  

  1. Es sieht so aus, als ob Menschen mit Migrationsbiographie in Österreich doch sehr gut integriert seien. In einem Land, in dem Streiks so selten sind wie der Besuch des Halleyschen Kometen3. Sonst würden unsere Mitmenschen die Rassismen, die ihnen tagtäglich am Wohnungsmarkt, am Arbeitsmarkt, im Bildungssystem, im öffentlichen Raum widerfahren doch rausschreien.  

Gibt es das Hashtag #metwo4 noch?!!! Wiederbeleben! Und die Mehrheitsgesellschaft überschwemmen mit den Erfahrungen. Weil das einfach kein Mensch glaubt, der es nicht selbst oder über Bekannte miterlebt. Vielleicht hilft es auch ein wenig zur Psychohygiene – ich würde es wünschen! 

 

  1. Und ja, laut Rechtsextremismus-Barometer 2024 wollen 36% nicht Nachbar:innen von Muslim:innen sein.5 Shocking. Yes! Aber 64% macht das nichts aus. Das sind zwei Drittel! Laut Dokumentationsarchiv für Österreichischen Widerstand weitere 20 – 25% Prozent wären gut aus dem rechten Eck zurückzuholen. Aber nicht durch Infantilisierung!! Nicht dadurch, dass Markus Gstöttner für die Mehrheitsgesellschaft – oder auch nur die ÖVP-Wähler:innen spricht.6  

Auch an anderer Stelle erlebe ich die Unsicherheit (oder ist es Überheblichkeit) alle – egal ob Menschen mit oder ohne Migrationsbiographie, mit oder ohne Bildungshintergrund, wohnhaft in Stadt oder Land - zum Diskurs über Teilhabe, Identität und Zugehörigkeit einzuladen. Die Ausverhandlung muss in der breiten Gesellschaft aber auch ganz konkret in Unternehmen und Einrichtungen passieren. Österreich braucht „keine organisierte Harmonie“ (nochmal Daniela Ingruber), sondern Räume, in denen miteinander kommunizieren – oder auch streiten möglich ist. 

 

Katharina Fritsch erklärt übrigens am 22.10. im Interview mit DerStandard, dass die Proteste in Frankreich nichts mit einer neuen Migration zu tun hätten. Ausgegangen seien die Proteste von französischen Jugendlichen, die nicht der weißen Mehrheitsgesellschaft angehören und die mit den friedlichen Protesten ihre Unzufriedenheit mit den staatlichen Institutionen (v.a. im Bildungsbereich) im finanzgebeutelten Frankreich zum Ausdruck gebracht hätten. Sie nutzten ihre demokratischen Möglichkeiten, um ihren Anliegen Gehör zu verschaffen. Heißt das jetzt, dass sie integriert sind? ….Ich dachte ja, um das geht es in der Demokratie!! 

 

P.S.: Übrigens, automatisch ist leider noch nie alles gut geworden!  

 

 

1 Daniela Ingruber: https://www.nomadin.at/  

2 Petition “Ein Pass, der passt.“ https://mein.aufstehn.at/petitions/ein-pass-der-passt  

3 Haha, ja das war ein KI gefundenes Beispiel.  

4 #metwo 2018 von Ali Can ins Leben gerufen. Mehr dazu https://de.wikipedia.org/wiki/MeTwo  

5 Rechtsextremismus-Barometer 2024 des Dokumentationsarchiv Österreichischen Widerstands. URL:  https://www.doew.at/cms/download/c1g6t/DOEW_rex-barometer-2024.pdf  

6 Franz Fischler, ehemaliger EU-Kommissar, immerhin als Initiator auch Teil der ÖVP.  

 


Thoughts and Prayers

Stimmen aus dem Team

ist unser neues Format mit dem wir zeigen wollen, wer hinter dem ASH Forum steht und was uns so in unseren Leben beschäftigt.


Dieser Beitrag kommt von unserer Teamleiterin und Bildungsbeauftragten Angelika Neuner.

 

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