Gerade Frauen, die sehr unbedarft kleine Kurierdienste übernehmen, um das Auskommen ihrer Familie zu sichern, werden inhaftiert, anstatt ihnen legale Perspektiven zur Schaffung eines Lebensunterhalts bereitzustellen. Armut, Drogenkonsum und sozialer Status werden kriminalisiert. Eine Inhaftierung löst allerdings keine Probleme, sondern erschwert vor allem aufgrund immenser Stigmatisierung von Menschen mit Hafterfahrung den Wiedereinstieg in ein Leben mit gesichertem Auskommen und als Teil der Gesellschaft.
Khalil Chait, Gründer von Stitching Sileo, betont, dass bevor wir von Menschenrechten sprechen, wir zunächst den Inhaftierten das Menschsein nicht absprechen dürfen. Khalil berichtet als ehemalig Inhaftierter von den Schwierigkeiten der Reintegration nach der Haftentlassung. Konkret spricht Khalil den NIMBY (Not in My Backyard) – Effekt an: Resozialisierung ja, aber am liebsten nicht die meiner Arbeitskollegin oder meines Nachbarn.
- Der gesamte Input von Olivia und Khalil ist hier nachzuhören:
Auch in Österreich steigt die Zahl der Inhaftierten. Hier ist vor allem ein Anstieg von Menschen mit Migrationshintergrund und vor allem in Untersuchungshaft auffällig. Das System kann mit dem Anstieg nicht mithalten. Österreich verzeichnet einen Überbelag von 15% in den Haftanstalten.
Überbelag und damit einhergehender Personalmangel ist der größte Faktor für Menschenrechtsverletzungen im Strafvollzug. Personalmangel führt zu längeren Schließzeiten, wenig(er) Bewegungsfreiheit, kaum Pflege von sozialen Beziehungen (außerhalb der Haftanstalt). In Österreich ist außerdem die Versorgung zur psychischen Gesundheit unzureichend.
Während in den skandinavischen Ländern oder den Niederlanden Austausch und Evaluation von außen zugelassen wird, gilt der Österreichische Vollzug als sehr geschlossen. Olivia Rope bekräftigt, dass geschlossene Strafvollzugssysteme nur sehr schwer zu reformieren seien. An den darauffolgenden Diskussionen im Weltcafé-Format gab es gerade zu diesem Punkt bereits viele Vorschläge zu Verbesserungen:
- Öffnen für Praktikumsplätze
- Öffnen des Vollzugs für mehr Berufsgruppen
- Feedbacksysteme etablieren
- (erweitertes) Qualitätsmanagement und (erweiterte) Kontrollen
- Umsetzen von Best Practice Beispielen
Konkret wurde von einem Best Practice Beispiel als Alternative zu großen Hafthäusern gesprochen. Der Verein Richtungswechsel lobbyiert in Österreich für die Idee der Small Scale Detention Houses v.a. im Jugendstrafvollzug.
Tabea Schleising erzählt hier über den Verein Richtungswechsel und seine Ziele.
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Mehr Informationen zur „Plattform Strafrechtsethik“.
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Der Feierabenddiskurs kommt wieder im Mai 2027. Ideen und Anregungen für Themen senden Sie gerne an angelika.neuner@ash-forum.at.
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