In Sachen Wohnen gilt Wien als leistbar für die Vielen. Oft lobend erwähnt wird die Wohnbaupolitik der Stadt Wien mit 220.000 Wohnungen im Eigentum der Stadt und viele Wohnungen mehr im Eigentum von nicht gewinnorientierten Genossenschaften, im sogenannten geförderten Wohnbau.
In Wien ist die Eigentumsquote im Vergleich zu den anderen Bundesländern in Österreich besonders gering, d.h. 76% der Wiener und Wienerinnen leben in Miete. Das sind in Zahlen 1,5 Mio Menschen. Zählen wir die etwa 900.000 Menschen ab, die im sozialen Wohnbau untergekommen sind, bleiben noch immer 600.000. Das sind etwa doppelt so viele Menschen wie in Graz wohnen. Und diese Menschen sind auf den freien Wohnungsmarkt angewiesen.
Wien zwischen sozialem Wohnbau und freiem Wohnungsmarkt
70% der Mieter:innen am freien Wohnungsmarkt sind Menschen mit Migrationshintergrund. Hatice Sit, Referentin der Working Class Students der ÖH Uni Wien, klärt auf, wer es besonders schwer hat. Allen voran sind das Studierende aus dem Ausland mit Eltern, die ihre Kinder nicht mit Bürgschaften für Wohnungen oder Kautionen unterstützen können. Studierende, die vor Studienantritt nicht in Wien gewohnt haben, haben zudem keinen Zugang zu Wohnungen im Eigentum der Stadt Wien. Im Neubau, bemerkt Hatice, entsprechen die Wohnungen schon längst nicht mehr den gesellschaftlichen Bedürfnissen. Sie wünscht sich ein Umdenken und Bedingungen, die solidarische Formen von Wohnen ermöglichen.
Antonia Schneider, Institut für Raumplanung an der TU Wien, bestätigt, dass v.a. nach der Finanzkrise 2008 eine Neustrukturierung am Wohnungsmarkt stattgefunden hat. Mit dem Auseinanderdriften von Einkommen und dem Überschuss an Geld bei den einen, strukturierten private Wohnbauträger um. So wird seitdem nicht ausschließlich für den Wohnbedarf gebaut, sondern zunehmend Wohnungen, die sich als Daseinsvorsorge für Menschen mit Kapital eignen.
Adrian Spengler, Architekturstudent und engagiert bei wohnattac, will die Möglichkeit der Veräußerung von Wohnungen durch die Abschaffung von Parifizierungen unterbinden. Eine weitere Möglichkeit sieht er über das habiTAT-Modell. Dieses ermöglicht eine Eigentümerstruktur für Objekte zu schaffen, in der habiTAT als Gesellschafter fungiert und dieser Veräußerung per Statut und Vetorecht unterbindet.
Im Zentrum der beiden Filme stehen Gebäude gebaut in den 1980ern und deren drohender Abriss. In Brunaupark (CH 2024, 91 min, R: Felix Hergert, Dominik Zietlow) wird ein Wohnpark in Zürich, Schweiz portraitiert. Die vier Wohnblöcke aus den 1980ern und 1990ern bieten für Menschen mit geringerem Einkommen hohe Wohnqualität und zeugen von großem sozialen Zusammenhalt. Die Credit Suisse als Eigentümerin hat den Mieter:innen die Kündigung ausgesprochen und möchte auf der Fläche Luxuswohnungen zur Veräußerung errichten.
Die Filme Brunaupark und All Buildings Are Beautiful
Im Vorfilm All Buildings Are Beautiful (AUT 2026, 20 min, R: Christoph Schwarz) fragt Christoph Schwarz, Medienkünstler und Allianz Alte WU, wie ein ökologischer Campus entstehen kann, wenn davor Bauschutt abgetragen werden muss, der in Lastern die 130 Kilometer von Wien bis Brno reicht. Wird der Bauschutt in Brno entsorgt?
Ausgang beider Gebäudekomplexe noch unklar. Ebenfalls unklar ist, ob Wiener Neustadt nun wirklich das sogenannte Tafelsilber verscherbeln wird. Ein Besucher berichtet davon, dass 3/4 der Gemeindebauwohnungen von der Stadtregierung Wiener Neustadt veräußert werden soll und ruft auf zu Aktivismus.
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Alle relevanten Links in der Spalte rechts.
Mehr zum Thema habiTAT und dem Wohnbauprojekt SchloR (Schöner Leben ohne Rendite) im Blogartikel "Oh, wie schön ist Simmering!".
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Eine Veranstaltung im Rahmen des Alsergrunder Kultursommers in Kooperation mit Volxkino und ÖH Uni Wien.






