Viel hat sich in meinem Alltag durch diese Hochzeit nicht geändert. Mein Nachname blieb gleich.
Man könnte aber glauben, mein Mann hat eine Heldentat vollbracht, weil er seinen Nachnamen geändert hat. Nicht nur einmal wurde mir (wohlgemerkt ernst gemeint) zu meinem Mann gratuliert, weil er meinen Nachnamen angenommen hat. Was für eine Leistung!
Manchmal habe ich dann die Gegenfrage gestellt, ob denn wohl schon jemals eine Frau Lob bekommen hätte, weil sie ihren Nachnamen nach einer Hochzeit geändert hat. Ich denke eher nicht.
Einige aus unserem Umfeld glauben wohl, ich hätte den (armen) Mann erpresst. Ich wurde gefragt, wie ich ihn davon nur überzeugen konnte. Meine Oma glaubt, dass die Namensänderung meines Mannes auf meinen Vater zurückzuführen ist, der müsse mich überredet haben, meinen Nachnamen nicht zu ändern.
Im Jahr vor unserer Hochzeit wurde ich dreimal (!) mit dem Nachnamen meines Mannes angesprochen. Von Menschen aus unserem Umfeld. In diesen Fällen wurde ich nicht gefragt, ob ich meinen Namen ändern würde. Davon wurde einfach ausgegangen. Wie sollte es auch sonst sein?
Ich erinnere mich an Chimamanda Ngozi Adiches „Dear Ijeawele, or A Feminist Manifesto in Fifteen Suggestions“. An einer Stelle beschreibt sie, wie sie von einem Journalisten mit dem Nachnamen ihres Mannes angesprochen wurde. Sie schreibt auch über Freund:innen, die die Nicht-Änderung ihres Nachnamens mit ihrem Erfolg als Autorin erklärten. Frauen dürfen also nur ihren Nachnamen behalten, wenn sie erfolgreich sind?
Wie oft ich gefragt wurde, wie ich denn nach der Hochzeit heißen würde und wie wir das mit dem Namen machen, habe ich aufgehört zu zählen. Die meisten bekamen ein leicht genervtes „Das haben wir uns schon ausgemacht.“ zur Antwort. Mein Mann wurde genau einmal danach gefragt.
Tatsächlich habe ich meinen Mann nicht erpresst und ich halte ihn auch nicht für einen Helden, weil er seinen Nachnamen geändert hat. Wie unzählige Frauen vor ihm. Nicht ganz so viele Männer.
Wie kam’s zur Entscheidung? Wie es wohl in einer Ehe zu gemeinsamen Entscheidungen kommen sollte. Wir haben uns darüber unterhalten, Argumente abgewogen, diskutiert und uns am Ende für eine Vorgehensweise entschieden.
Wenn ich jetzt darüber nachdenke, regt mich das Thema nicht mehr so auf, wie noch vor einem Jahr. Aber ich frage mich, wann wir als Gesellschaft endlich damit aufhören, Männer für Dinge zu loben, die Frauen schon seit langer Zeit machen ohne, dass je ein Hahn danach gekräht hätte?

