Trotzdem weiß ich, dass es wichtig wäre sich damit mehr auseinander zu setzen – besonders als Frau. Frauen sind im Durchschnitt immer noch weniger mit Finanzbildung vertraut. Zwar liegen die Zeiten hinter uns, in denen man als verheiratete Frau den Ehemann fragen musste, ob man ein Konto eröffnen darf. Dennoch setzen sich Frauen weniger mit dem Thema auseinander. Das alles wird durch eine Gesellschaft gestützt, die sich auf Ungleichheit, auch in finanzieller Hinsicht stützt. Gender Pay Gap und Altersarmut lassen grüßen.
Als Feministin sollte ich da dagegenhalten. Das versuche ich auch, allerdings merke ich immer mehr, wo ich an meine Grenzen stoße. Vor einiger Zeit habe ich – an die Altersarmut denkend – eine staatlich geförderte Pensionszusatzversicherung abgeschlossen. Ein wichtiger Schritt für mich, dennoch merke ich langsam, dass das wohl nicht genug ist.
Ich bin nicht schlecht mit meinen Finanzen, habe keine Schulden, aber auch keine großen Ersparnisse. Und die die ich habe, gehen an die SVS. Meine jahrelange Selbstständigkeit zwang mich dazu mich mit unserem Steuersystem auseinanderzusetzen. Einkommensteuer, Umsatzsteuer und die Dokumentation des Ganzen verfolgen mich das ganze Jahr. Um allerdings meine Steuer beim Finanzamt einzureichen, habe ich auch die Unterstützung eines Steuerberaters.
Meine Selbstständigkeit ist auch der Grund, warum ich dann zufällig doch auch eine Vermögens- oder Anlagenberatung bekommen habe. Denn als in einem Monat eine Zahlung von 10.000€ auf meinem Konto landete, nahm meine Bankberaterin an, es sei ab jetzt mein Monatseinkommen. Sofort wurde ich in der Bankfiliale anders behandelt. Ich habe es nicht übers Herz gebracht, ihr zu gestehen, dass ich damit wohl über ein halbes Jahr auskommen muss und es sich um ein einmaliges Honorar handelte. Sie fragte freundlich, ob ich denn eine Anlagenberatung haben möchte – weil das Geld sollte man so nicht am Konto lassen. Also sagte ich, etwas verlegen, zu.
Von Fonds, Aktien und dem Rest habe ich überhaupt keine Ahnung. Das beginnt schon einmal damit, dass ich immer wieder nachschauen muss, ob es EFT oder ETF heißt. Wenn Influencer vom MSCI World schwärmen, habe ich Fragezeichen im Kopf. Also saß ich nach einigen Wochen beim netten Mitarbeiter in der Beratung. Einen Kaffee gab es gratis und eine Stunde detaillierte Erklärungen, wie ich mein Geld anlegen könnte, ebenso. Ich spielte diese Stunde lang eine etwas wohlhabendere Vanessa. Danach habe ich ihn nie wieder kontaktiert, denn ich hatte ja gar kein Geld anzulegen.
Auch wenn sich mein Konto seitdem nicht mehr sonderlich gefüllt hat, denke ich immer wieder darüber nach, doch einen Langzeitplan zum Sparen und Anlegen zu machen. Für die Zukunft und das Alter. Schauen wir, ob ich das Wissen aus der Beratung doch noch irgendwann anwende.

